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bilddateien.de - alles, was mich fotografisch bewegt - Bernhard Albicker

Doch eine D850? oder: warum keine Z7?

veröffentlicht am 04.04.2019 - aktualisiert am 12.07.2019

Als ich vor 6 Jahren die Nikon D800 kaufte, war das zunächst eine “Notlösung”, meine D700 war defekt und ich brauchte dringend und schnell eine Kamera für eine anstehende Reise. Ich war zunächst skeptisch, denn die D800 war ein “Pixelmonster”.

Mit der D800 kam ich aber schnell sehr gut zurecht, die Bilder waren zwar etwas bearbeitungsbedürftiger bzgl. Entrauschen, als ich das von meiner D700 gewöhnt war, aber zeigten Details und Vergrößerungsreserven, die mir meine D700 nie hätte bieten können. Und so stellte sich eine Arbeitsteilung ein:

Das Nachdenken über eine neue Kamera

Da sitze ich eines Tages neben einem anderen Fotografen und beide verfolgen wir einen Flug einer Zwergdommel über den See auf uns zu. Er hat eine komplett scharfe Serie des gesamten Fluges “im Kasten”, bei mir ist der AF nach den ersten drei Bildern ausgestiegen - und das war’s dann …
Seine Kamera: eine D500.

Die D500 ist eine hervorragende Kamera - insbesondere im Wildlife-Bereich kenne ich im bezahlbaren Angebot nichts Besseres: treffsicherer und schneller Autofokus, schnelle Serienbildrate und grenzenloser Buffer seien als Hauptpunkte genannt.

Ich bin aber auch oft unterwegs in Gegenden und Situationen, wo ich auch ein paar der liebgewonnenen Eigenschaften meiner D800 wie v. a. den großen Sensor und damit die hohe Auflösung und Dynamik gerne dabei hätte.

Vergleich D800/D850

Warum eine D850? und: warum keine Z7?

Nun, eine D800 hab ich, und die Z7 soll ja in derselben Liga spielen wie die D850 und modern, weil spiegellos sein …

Abgrenzung zur D800

Die gemäßigt höhere Auflösung ist nicht einmal ein Argument, das mich zu einem Wechsel motiviert hätte, ebensowenig die besseren Videofähigkeiten (in diesem Bereich mache ich eigentlich nichts).

Die Hauptargumente kommen eigentlich eher aus dem Bereich der Ergonomie:

Vergleich D800/D850 - Bedienelemente Rückseite

Vergleich D800/D850 - Bedienelemente oben

aber auch:

P.S.: gehört auch zur Ergonomie: den Filmauslöser hab ich mir im Fotomodus in Verbindung mit einem Einstellrad zur Änderung des Bildformates (FX/DX/quadratisch/5:4/…) konfiguriert.

Abgrenzung zur Z7

Um es in zwei kurze prägnante Begriffe zu fassen: Stromverbrauch und Autofokus.

  1. ich sehe es nicht ein, zwingend dauernd Strom zu verbraten, derweil ich irgendwo rumsitze und durch den Sucher gucke, ob vielleicht doch irgendwann mal noch was passiert oder passieren könnte - das ist in der Wildlife-Fotografie die Regel.
    Dem begegnen die Kamerahersteller mit einem Energiesparmodus, aber dann braucht die Kamera Zeit zum “Aufwachen” … damit sind solche Aufnahmen nicht zu machen:
    Bienenfresser im Landeanflug

    In größeren Zeitabständen landen die Vögel auf diesem Ast. Bis man sie im Sucher sieht ist es zu spät, daher richte ich die Kamera aus und beobachte die Umgebung - das kann schon mal ‘ne halbe Stunde oder länger dauern. Wenn dann ein Vogel anfliegt, genügt die Betätigung des Auslösers - bei einer DSLR, denn diese ist sofort ‘schussbereit’.

  2. Ich sehe es weiters nicht ein, meine schnellen Festbrennweiten (schnell bzgl. AF-Reaktion) im Telebereich durch einen langsamen Body auszubremsen.
    Sicherlich kann man auch mit einer Z7 Wildlife-Bilder machen, genauso wie man das mit einem 200-500/f5,6 Nikon-Zoom kann. Aber wie das Zoom im Vergleich zu den Festbrennweiten sichtbar langsamer ist, so ist es die Spiegellose im Vergleich zu den Spiegelreflexen D500 sowie D850.

Aber es gibt auch noch eine ganze Reihe anderer Gründe:

  1. Kleineres Gehäuse heißt zwingend: weniger Bedienelemente - und das heißt: mehr im Menü rumsuchen …
  2. Es gibt keinen Funktionshandgriff.
    Ich betreibe alle meine Kameras mit einem solchen Handgriff. Sicherlich stecke ich, wenn das Teil schon mal da ist, auch einen großen Akku hinein, aber das ist nicht der Hauptgrund.

    • zum einen fällt es mir mit dem Griff deutlich leichter, die nicht ganz leichte Kamera-Objektiv-Kombination vernünftig und länger zu halten, bei großen Objektiven ist die Kombination deutlich ausgewogener.
    • hauptsächlich ist es aber ein Ergonomie-Argument: sowohl im Quer- als auch im Hochformat kann ich ohne Verrenkungen den AF aktivieren, den AF-Punkt schieben im Sucher, die Zeit und Blende einstellen etc.

    Und wenn ich die Informationen zur Z7 (und auch zur Z6) richtig gelesen habe, wird es solche Funktionshandgriffe für beide Kameras nicht geben, einfach weil dafür keine (elektrischen) Anschlüsse vorgesehen sind.

  3. drei Blenden unempfindlicherer Autofokus (-1LW gegenüber -4LW bei der D850)

  4. Puffer für die Serienaufnahmen auf nur 16-18 Bilder mit 14 Bit beschränkt - das liegt auf dem Niveau meiner alten D800.

  5. mehr als 5 Bilder/sec. nur ohne kontinuierliche Belichtungskorrektur erzielbar (d.h. nur das erste Bild ist korrekt belichtet).

  6. bei mehr als 5,5 Bilder je Sekunde keine Motivverfolgung im Sucher (d.h. man sieht nicht, wohin sich schnell bewegende Motive bewegen um sie zu verfolgen).

  7. offenbar gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Probleme mit Banding and Striping, also Streifenmustern.

Vor allem die Punkte 3 - 6 verstehe ich überhaupt nicht - das kann Nikon definitiv besser (zumindest bei meinen Spiegelreflexen ist das kein Thema)!

Schlußbemerkungen

Für meine Foto-Anwendungen ist die D850 das eindeutig bessere Werkzeug, und zudem auch noch billiger. Evtl. hätte ich mir eine Z6 als Ergänzung für Produktfotos (z. B. hier für diese Homepage) vorstellen können, da ich mit meinen DSLRs bisher immer an die Grenzen gestoßen bin, wenn ich die AF-Felder am Bildrand benötigt hätte, um eine Fokus-Reihe zu erstellen. Aber dafür hat die D850 eine Automatik-Funktion, die eine Fokus-Reihe erstellt - Problem elegant umgangen … und damit erledigt. Alternativ kann im Live-View-Modus bis zum Rand fokussiert werden.

noch ‘n Update:

Gunther war in Brasilien und berichtet im Fotoschnack über seine Erfahrungen mit der Z6/Z7 bei Wildlife-Einsatz im Pantanal:

https://youtu.be/iiza8nqNpnA?t=2262

Ergebnis:

Trefferquote 5 … 10%

… was meine Entscheidung bestätigt.

1112 Worte - Lesezeit: 6 Minute(n)

 

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Disclaimer

Ich kaufe mein fotografisches Werkzeug beim Fotohändler meiner Wahl/meines Vertrauens als normaler Kunde. Wenn ich hier über das von mir eingesetzte Material schreibe, dann geht es dabei um die Erfahrungen, die ich in der praktischen Arbeit damit sammle.