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XQD vs. SD Karte oder: warum Äpfel keine Birnen sind …

veröffentlicht am 09.02.2019 - aktualisiert am 10.10.2019

Was soll das: 1 Kartenslot – und der auch noch in XQD.

So oder so ähnlich lautete das Gezeter im Internet, als Nikon die Z6/Z7 rausbrachte. Angeblich könnte man SD-Karten für ‘n paar Euro und an jeder Ecke kaufen, die XQDs seien “sauteuer“.

Und wie bei dem Hype um die Verkaufszahlen der Spiegellos-Kameras wollte ich da mal für mich eine faktenbasierte Meinung gewinnen, auch, weil die D500 und die D850 eben beide Möglichkeiten offen lassen.

Bei meinen Vergleichen habe ich mich auf die Zahlen des Preisvergleichsportals Idealo von Ende Januar 2019 gestützt.

Sicherlich gibt es SD-Karten für „‘n paar Euro“ – womit wir bei den Äpfeln und Birnen wären. Diese Karten kosten in der 32GB-Version ab ca. 10 EUR, in der 64GB-Version ab ca. 15 EUR. Dafür erhält man dann Karten mit Lesegeschwindigkeiten um 60-90MB/s, Schreibgeschwindigkeiten ab 10MB/s bis in die Region 60MB/s. Und mal ehrlich: Wer braucht dazu ‘ne Kamera für 2000 + Euro? Dann tut’s auch ‘ne D5xxx oder so - die dreistelligen (D500, D850) und noch deutlicher die einstelligen Nikons (D4, D5) sind eben auf auch auf schnelles Fotografieren gezüchtet: schneller, treffsicherer Autofokus, schnelle Bildfolgen (bei entsprechend schneller Karte in der D500 läuft nicht mal der Puffer-Speicher voll) etc. - dazu braucht’s eben auch schnelle Speicher.
Das wäre sonst, als würde man mit ‘nem Porsche ausschließlich in der 30er-Zone rumfahren. Klar kann man damit Leute beeindrucken, die man nicht mag, aber dafür gebaut ist das Fahrzeug nicht.

XQD- vs. SD-Speicherkarte

Marktanalyse: SD, XQD - Daten und Preise

Kommen wir zu einem aussagefähigen Vergleich.
In solchen Kameras sind nur Karten mit auch hoher Schreibgeschwindigkeit interessant, also vergleiche ich primär die Serien XQD G von Sony (XQD M habe ich der Vollständigkeit halber mit angegeben, Lexar bietet derzeit keine XQD-Karten an) mit den SD UHS II Karten, die derzeit von Sandisk (Extreme PRO SD UHS-II U3) und Sony (SF-G UHS-II mit ähnlichen Daten) angeboten werden.

Kartentyp Größe Lese-/Schreib- Geschwindigkeit Preis/ gerundet
XQD G 32GB 440/400MB/s 100,-
SD UHS II 32GB 300/260MB/s 60,-
XQD G 64GB 440/400MB/s 146,-
SD UHS II 64GB 300/260MB/s 114,-
 
XQD M 32GB 440/80MB/s 90,-
XQD M 64GB 440/150MB/s 150,-

… und schon sind die Preisunterschiede gar nicht mehr so riesig, zumindest, wenn man auch die Geschwindigkeit(sunterschiede) noch mit berücksichtigt.

Der Geschwindigkeitstest XQD vs. SD in der realen Welt mit einer D500

Als Testobjekt muß eine Nikon D500 herhalten. Diese ist auf max. Bildgröße eingestellt, RAW, 14bit Farbtiefe und verlustfrei komprimiert (so verwende ich die Kamera in der Praxis). =Bildbeschreibung= Mit einem Bildmotiv aus der realen Welt bei normalem Tageslicht ergeben sich bei höchster Serienbildgeschwindigkeit (CH, 10Bilder/sec.):

Versuch Nr. Karte Bilder
1 SD 32GB 58
2 SD 32GB 61
3 XQD 32GB 200
4 SD 64GB 56

Dabei habe ich die Kamera jeweils solange laufen lassen, bis 2 langsame Auslösungen (voller Buffer) zu hören waren (und diese dann abgezogen). Bei dem Versuch mit der XQD-Karte hat die Kamera nach 200 Aufnahmen gesperrt (dies ist eine Menüoption), bis dahin aber volle Geschwindigkeit “abgeliefert”.

(Anmerkung: bei den obigen Kameraeinstellungen muß für den Test ein “reales” Motiv verwendet werden, das ergibt Dateigrößen von rund oberhalb 24MB. Läßt man einfach den Deckel auf der Kamera, dann kommen Dateigrößen von 21,7MB (konstant) raus - und dann schafft die Kamera auch mit den schnellsten SD-Karten volle 200 Bilder - aber wer guckt sich schon schwarze Bilder an 😉).

Fazit

Definitiv sind XQD-Karten bezüglich Geschwindigkeit die Meßlatte, aber auch die aktuellsten SD-Karten sind nicht schlecht. Aber preislich relativiert sich der Unterschied dann sehr drastisch - schnelle Karten sind eben teuer. Da gibt es dann kaum einen Vorteil für das eine oder andere Format.
Wohl aber lese ich viele Berichte, in denen Leute zur Zuverlässigkeit Stellung nehmen: praktisch keine Ausfälle bei CF und auch XQD (die sind noch nicht so lange am Markt), aber immer mal wieder Probleme mit SD – auch das kann ein Kriterium sein, das in die Bewertung zur Kaufentscheidung einfließt.

(Welches Marktsegment aber die XQD M Karten abdecken sollen, das erschließt sich mir aus diesen Daten keineswegs: geringe Schreibgeschwindigkeit, aber kaum billiger/tlw. teurer als die schnellen XQD G).

678 Worte - Lesezeit: 4 Minute(n)

 

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