Eine Einführung in darktable für Umsteiger, ab Version 4.x
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Eine Einführung in darktable für Umsteiger, ab Version 4.x

Inhaltsverzeichnis

 

Wer darktable zum ersten Mal öffnet, findet oben rechts Einträge für Leuchttisch, Dunkelkammer und weitere: dahinter verbergen sich Diashow, Drucken, Karte und Tethering. In dieser Einführung soll es um die beiden Basisfunktionen Leuchttisch und Dunkelkammer gehen.

Allgemeines

darktable-ansichten

Daraus ergibt sich diese Hierarchie:

Leuchttisch

Die Module des Leuchttisches sind immer aktiv, können nach Bedarf ein- oder ausgeklappt werden. In der Mitte der Ansicht wird eine Übersicht der Bilder angezeigt.

Die Module sind gruppiert links und rechts untergebracht:

Linke Modulleiste: Import sowie Bildfilter und Bildinfos

Zusammengefaßt läßt sich also sagen, daß im Leuchttisch die Module der linken Seitenleiste dazu dienen,

Rechte Modulleiste: Bilder werden “behandelt”

Im Gegensatz zu den Modulen der linken Seitenleiste dienen diejenigen der rechten Seitenleiste dazu, Operationen durchzuführen auf eines, mehrere oder alle im mittleren Bereich angezeigten Fotos.

=Bildbeschreibung= Module der rechten Seitenleiste, ‘Auswahl’ und ‘Verlaufsstapel’ aufgeklappt, der Rest geschlossen

Dunkelkammer

Module, Modulreihenfolge, Pixel-Pipeline …

Die Module der Dunkelkammer unterteilen sich in zwei Gruppen:

Die Module der Dunkelkammer liegen wie eine Perlenkette entlang der “Pixel-Pipeline”, d. h. die Bild-Daten werden von Modul zu Modul weitergereicht. Ausgeschaltete Module bilden quasi eine Art Kurzschluss und reichen die Bilddaten unbeeinflußt weiter.
In der rechten Seitenleiste unter dem Histogramm in der Gruppe “eingeschaltete Module” sieht man die aktiven Module in der Reihenfolge wie sie darktable (von unten nach oben) abarbeitet:

darktable-modulreihenfolge

Demgegenüber sind in der linken Seitenleiste im Modul Verlauf die Module so (in der Reihenfolge) gelistet wie sie nacheinander eingeschaltet und angewandt wurden, also in der Reihenfolge der Bearbeitung des Bildes.

Zurück zur Modulübersicht in der rechten Seitenleiste:
In den weiteren Gruppen sind die verfügbaren Module nach Funktion sortiert aufgelistet. Da gibt es Gruppen, die Module zusammenfassen, mit denen Tonwerte oder Farben angepaßt werden, eine Gruppe für Korrektur-Module (z. B. Zuschneiden, Drehen, Retusche), eine Gruppe für “Technik” (hier sind z. B. Objektivkorrekturen, chromatische Abberation oder Schärfen zu finden) sowie die Effekte (Rahmen, Wasserzeichen, Vignettierung, Verpixeln etc.)
Das Hamburger-Menü ganz rechts ermöglicht es, das alles zu konfigurieren.

Module vs. “RAW-Engine”

Für den Einstieg in darktable zum jetzigen Zeitpunkt, also deutlich nach Erscheinen der Versionen 3 und folgende, ist noch eines wichtig, um nicht in der Vielzahl der Module (man spricht von 70(?)) in der Dunkelkammer unterzugehen.
Lightroom hatte in der Vergangenheit wohl verschiedene Evolutionsschritte der sog. RAW-Engine durchlaufen.
Das resultiert dann in solchen Veröffentlichungen und alle plappern das nach, auch im einen oder anderen Podcast.

Ich schrieb oben: darktable ist modular aufgebaut.
Das heißt: es gibt nicht “die RAW-Engine”, sondern einzelne Module, die zusammen eben diese “RAW-Engine” bilden.
In 3.6 wurden z. B. im Modul “Entrastern” neue Algorithmen hinzugefügt, um aus dem Bayer-Sensor (oder X-Trans bei Fuji) ein RGB-Bild zu erzeugen. Das ist beispielsweise eine solche Teilfunktionalität der “RAW-Engine”.

Praxistipp: Das Modul ‘Entrastern’ ist auch ein schönes Beispiel für meine Vorgehensweise: Ich nutze die verschiedenen Einstellmöglichkeiten, um für die jeweilige Kamera eine Voreinstellung zusammenzubasteln, die mit dem spezifischen Sensor die beste Detailwiedergabe (feine Strukturen bei Vogelgefieder z. B.) bei feinkörnigstem Rauschen liefert. Das mache ich i. d. R. nur einmal und speichere die Einstellung dann ab.

Die Workflows

Ab Version 3.0 gab es eine ganze Reihe Änderungen (und neue Module) durch eine grundlegende Änderung des technischen Konzepts - das war ein gleitender Übergang, weil: ist eben modular, das darktable.

Im Kern gibt es jetzt zwei Workflows, die ich hier nur erwähne, weil die Begrifflichkeiten immer wieder vorkommen:

Technisch steht dahinter - wie gesagt - ein grundlegender Umbruch.

Der alte Workflow beruht auf dem Lab-Farbraum und ist nichtlinear (Gamma-Kurve). Das war ok in der ersten Zeit von darktable, weil die Kameras bei Weitem noch nicht den Dynamikbereich hatten wie heute, sondern der aufgenommene Helligkeitsumfang mehr oder weniger zum Monitor-Helligkeitsumfang passte.
Heute können Kameras aber 12 und mehr Lichtwerte verarbeiten, weit mehr, als es Monitore oder v. a. Druckmedien anzeigen können. Da muß der Helligkeitsumfang aus der Kamera also “zusammengestaucht” werden, das passiert am besten in der “Pipeline” der Module ganz am Schluss, nachdem vorher bei linearer Verarbeitung möglichst viel der Anpassung/Bearbeitung/Optimierung des Bildinhaltes erledigt wurde.

Das war die Geburtsstunde des Moduls “Filmic”. Der Entwickler hat sich lange mit den denistometrischen Kurven von Analogfilm auseinandergesetzt und das als Basis genommen, daher der Name.
Wichtig ist jetzt Folgendes:

Praxistipp: Um heutigen Kameras gerecht zu werden, würde ich auf die “alten” Module möglichst verzichten und gleich mit dem “neuen” Workflow starten.

Mit dieser Grundeinstellung (erreichbar über das Zahnradsymbol oben rechts allen Ansichten)

und dann dieser Auswahl in der Dunkelkammer

erhält man eine sinnvolle Vorauswahl der Module in der Dunkelkammer.

Zu den (technischen) Hintergründen des Wechsels vom anzeigebezogenen zum szenenbezogenen Workflow gibt es einen Artikel des Entwicklers (deutsche Übersetzung), da ist das Ganze mit den beiden Workflows (alt und neu) nochmal ausführlich aufgedröselt.

Noch ein Wort zu den Modulen

Wie bereits erwähnt: darktable ist modular aufgebaut.
Welche Vorteile hat das?

  1. ein Modul in der Dunkelkammer kann auch mehrfach mit unterschiedlichen Einstellungen in die “Pipeline” eingebaut werden.
    Dazu “dupliziert” man das Modul mittels des Symbols mit den zwei hintereinander liegenden Quadraten in der Kopfleiste des betreffenden Moduls:

    Das neue Modul zeigt den Namen des Moduls ergänzt um eine fortlaufende Ziffer in der Kopfleiste.

  2. praktisch jedes Modul in der Dunkelkammer kann mit Masken kombiniert verwendet werden. Diese sind über die Fußzeile erreichbar:

    v. l. n. r.:

    • aus - wie der Name schon sagt
    • einheitliches Überblenden - der Effekt des Moduls wird gleichmäßig auf das gesamte Bild angewandt, aber nur in der mit dem Regler Deckkraft angegebenen Stärke
    • gezeichnete Maske - Maske wird mittels Pinsel manuell erstellt
    • parametrische Maske - Maske wird automatisch anhand der manuell eingestellten Parameter Farbe, Helligkeit im Motiv etc. erstellt
    • Kombination aus gezeichneter und parametrischer Maske
    • Rastermaske - die kombinierte Maske eines Moduls (die Kombination jeder gezeichneten und parametrischen Maske) ergibt ein Graustufen-Rasterbild. Dieses beschreibt die Wirkung des Moduls auf jedes einzelne Pixel. Die Maske wird für aktive Module gespeichert und kann anschließend in anderen Modulen der Pixelpipe wiederverwendet werden.

Mehr zu darktable?

Hier gibt es eine komplette Übersicht der Blog-Artikel zu darktable … und hier ein Tutorial für Einsteiger.

 

 

 


zuletzt geändert am: 04.04.2024 - 1672 Worte - Lesezeit: 8 Minute(n)