Der digitale Workflow * bilddateien.de - alles, was mich fotografisch bewegt - Bernhard Albicker
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Der digitale Workflow

Vorwort: Im Internet gibt es Beschreibungen zu diesem Thema zuhauf. Ich möchte an dieser Stelle einen etwas anderen Ansatz wählen. Hier soll nicht beschrieben werden: Ich nehme Software “x-y-z” und führe die Arbeitsschritte “a-b-c” durch (meistens geht es dabei um Adobe Lightroom in den verschiedenen Versionen, das scheint heute (2013) der Marktführer zu sein), sondern ich möchte den etwas allgemeineren Ansatz verfolgen und darstellen, wie ein Workflow im Allgemeinen aufgebaut ist, aus welchen Teilschritten er besteht, was in den einzelnen Schritten zu beachten ist und wie sie umgesetzt werden können.
Danach sollte der Leser in der Lage sein, sich eine Art Checkliste aufzustellen und nach seinen persönlichen Bedürfnissen die geeignete Software oder -zusammenstellung aus den Angeboten am Markt herauszufiltern.

In Kommentaren zu den einzelnen Kapiteln, kenntlich an kursiver Schrift, werde ich versuchen, Praxiserfahrungen mit der einen oder anderen mir bekannten Software wiederzugeben.

Die Arbeitsschritte des digitalen Workflows des Fotografen

Was ist ein “Workflow”?

Der Begriff läßt sich als “Arbeitsablauf” übersetzen und beschreibt eine festgelegte Abfolge von einzelnen Arbeitsschritten. In der digitalen Fotografie sind das:

  1. Fotografieren
  2. Import
    • Kamera: Speicherkarte per USB-Kabel
    • Datenträger: Kartenadapter, USB-Stick, …
    • Tethered Shooting: Kamera ist während der Aufnahme am Rechner angeschlossen und das Bild wird direkt übertragen
  3. Sichtung
  4. Verschlagwortung
  5. Optimierung: Bildbearbeitung
  6. Export
    • Ausdrucken
    • Belichten beim Fotodienst
    • Cloud-Dienste: Flickr und Co.
    • Online-Bild-Agenturen

Eine wichtige Randbedingung für Fotografen ist dabei, daß der gewählte Workflow sowohl unterwegs als auch zu Hause (stationär/Studio) umsetzbar ist.

Schritt 1: Fotografieren

Am Anfang steht das Bild. Was dabei zu beachten ist, um zu optimalen Ergebnissen zu kommen, das habe ich in einem eigenen Artikel erläutert. In den meisten Fällen wird danach das Bild als RAW-Datei zur Verfügung stehen.

Schritt 2: Import

Das Importieren von Fotos beschreibt allgemein das Übertragen der von der Kamera aufgenommenen Bilddaten auf einen Computer, um sie dort weiterzuverwenden. Dabei sind - unabhängig von der Art des Imports (siehe obige Aufzählung) - einige Punkte zu beachten:

Und nun noch ein paar grundsätzliche Bemerkungen:

Einige, ansonsten von mir hoch geschätzte Fotografen wie z. B. Gunther Wegner oder Patrick Ludolph, empfehlen beim Import die Konvertierung ins DNG-Format, u. a. deshalb, weil dann bei der Bearbeitung der RAW-Dateien die Änderungen direkt in die RAW-Datei geschrieben werden und nicht in ein sog. “Sidecar-File”, also eine kleine Textdatei mit dem gleichen Namen wie das Bild, aber der Endung .xmp. Sidecar-Files würden das Handling der Dateien erschweren.

Diese Vorgehensweise ist für mich ein “No-Go”. Und weil die Nikon-Software ViewNX die Veränderungen ebenfalls in die “Ur-Datei” speichert, bin ich auch von der Bearbeitung der RAW-Dateien in dieser Software abgekommen.
Und die Gründe?

Schritt 3: Sichtung

In diesem Arbeitsschritt können folgende Einzelaufgaben zusammengefaßt werden:

An der Nahtstelle zwischen Sichtung und Bearbeitung steht dann noch eine

Schritt 4: Verschlagwortung

Gemäß dem alten Ausspruch: “Ein Griff, und schon geht die Sucherei los …” wird sich jeder Fotograf angesichts der steigenden Anzahl Bilddateien auf seinem Rechner früher oder später Gedanken machen, wie eine gewisse Ordnung in das Archiv zu bekommen und die Auffindbarkeit einzelner Bilder in erträglichem Zeitrahmen gesichert ist.

Ein Mittel dazu bildet die Nutzung sog. Metadaten. Dabei handelt es sich um Zusatzinformationen wie Titel, Ort, Aufnahmedatum und -zeit sowie beschreibende Schlagwörter, die den Inhalt einer Aufnahme charakterisieren. Dadurch ist es möglich, mittels geeigneter Software per Suchfunktion einzelne oder ganze Gruppen von Bildern gezielt aufzufinden.

Als Standard in Profikreisen hat sich seit langem die Verwendung der IPTC-Felder durchgesetzt, darauf aufbauend werden heute zunehmend auch sog. XMP-Daten genutzt.

Keinem Bild fehlen sollten grundlegende Daten wie Titel/Überschrift, Autor, Copyright-Hinweis und Angaben zum Aufnahme-Ort. Umfangreicher werden die Überlegungen allerdings, wenn es um die Vergabe von Schlagworten zur Nutzung in Suchfunktionen geht: das hängt sehr vom Verwendungszweck der Bilder ab.
Mögliche Varianten sind:

Je nach verwendeter Software kann man in diesem Schritt auch extern erfaßte GPS-Koordinaten auf die Bilder übertragen. Dazu benötigt man in der Regel einen von einem GPS-Empfänger mitgeloggten .gpx-Track der Fototour, ferner sollten die Uhren der Kamera und des GPS-Empfängers synchron laufen. Per Software werden dann anhand der Aufnahmezeit die zu diesem Zeitpunkt gültigen Koordinaten der Aufnahme zugewiesen.

Die Verschlagwortung von (vielen) Bildern macht einige Mühe. Wichtig ist es daher, sich

Letzteres bedeutet insbesondere, daß die eingegebenen Daten nicht ausschließlich in einer internen Datenbank der verwendeten Software gespeichert sind und erst beim Export in die Ausgangsbilder geschrieben werden (dann wäre bei einem Wechsel der Software ggf. die gesamte Arbeit verloren), sondern die Daten direkt bei der Eingabe entweder in die Quelldateien (i. d. Regel die RAW-Files aus der Kamera, halte ich persönlich nicht für so gut, da bei jedem Schreibvorgang ein Risiko der Beschädigung der Datei besteht) eingetragen werden oder in sog. Sidecar-Files im XMP-Format gespeichert werden.

Schritt 5: Optimierung

Dieser Schritt im Lebenslauf eines Bildes umfaßt in der Regel die Bearbeitungsschritte:

In den meisten Fällen belasse ich es bei meinen Bildern bei den Optimierungen, die man auch analog schon gemacht hat: Farbkorrekturen, Belichtung und Kontrast sowie Bildausschnitt (früher: Ausschnittsvergrößerung). Montagen wie z. B. ein Austausch eines bewölkten Himmels gegen “Schönwetter” widerspricht meiner Auffassung von Fotografie und ist mir auch deutlich zu aufwending - da fotografiere ich lieber gleich bei passendem Wetter - oder, wenn das nicht möglich ist, zur passenden Zeit, z. B. in der Dämmerung (Mischlicht). Somit reichen die Möglichkeiten in einer guten Workflow-Software-Lösung in der Regel aus, um ein weiterverwendbares Ergebnis zu erzielen.

Schritt 6: Export

In diesem Schritt zusammengefaßt sind die Möglichkeiten, das fertige Bild zu präsentieren, also anderen zugänglich zu machen, sei es nun als Papier oder elektronisch:

Zu den verschiedenen Optionen hier möchte ich keine Bewertung abgeben, dazu arbeite ich noch zu konservativ: In der Regel exportiere ich nach JPG und kopiere die Bilder entweder auf einen Memory-Stick und trage sie zum Ausbelichter oder verkleinere sie in die passenden Ordner, in denen die lokalen Kopien meiner Internetseiten liegen.

Umsetzung in die Praxis

Um die beschriebenen einzelnen Schritte in die Praxis umzusetzen, bedarf es einer oder mehrerer Software-Lösungen.

Wie mein Bildbearbeitungs-Arbeitsplatz in der Praxis (unter dem Betriebssystem Linux) aussieht, das habe ich auf einer eigenen Seite beschrieben.

 

 


zuletzt geändert am: 20.11.2013