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Evolution in darktable - Zonensystem vs. Tonwert-Equalizer

veröffentlicht am 15.01.2023 in * BILDBEARBEITUNG * PROGRAMME *

Inhaltsverzeichnis

 

Vor 7 Jahren habe ich in einem Kurzbeitrag beschrieben, wie in darktable mit wenigen Handgriffen ein Bild mit hohen Kontrasten verbessert werden kann.

Kommentare wie der Folgende haben mich zu diesem Update des alten Beitrags “angestiftet”, in dem ich anhand der damaligen Bearbeitung einen direkten Vergleich liefern möchte:

Der Anlaß: erster Eindruck auf Benutzerseite

(…) ständig zusätzliche Module finde ich nicht ideal. Es sollte einen empfohlenen Modulpool geben, evtl. getrennt nach Anfänger und Fortgeschrittener.
Der Aufwand für den Nutzer, nach jedem Update zu ergründen, welches neue Modul/Funktion für und in seinen Workflow passt und was damit abgelöst werden kann, empfinde ich als hoch, wenn man vorrangig Bilder bearbeiten möchte und dafür eine gewisse Routine hilfreich ist.

Das möchte ich zum Anlaß nehmen, inwieweit die “zusätzlichen” Module eher “Fluch” oder “Segen” sind - und wie der Workflow in darktable entsprechend optimiert werden kann.

Die Gegenüberstellung

Das Bild aus der Kamera

Der Einfachheit halber nutze ich für die Darstellungen hier dieselbe Aufnahme einer Feuerstelle wie damals. Als Ausgangspunkt das JPG direkt aus der Kamera:

Das Bild ist eigentlich ganz korrekt belichtet, wie das Histogramm zeigt:

=Bildbeschreibung=

Aber insbesondere im Vordergrund und den Schattenseiten der Sandsteine “säuft jedes Detail ab”, das war damals der Anlaß, das Motiv etwas “aufzupeppen”.

Verbesserung: darktable 1.4 und Zonen-System

Die damalige Bearbeitung

In darktable (damals in der Version 1.4) habe ich dann im Wesentlichen zwei Module verwendet: zum einen hab ich mittels “Velvia” ein bißchen mehr Farbe in die Angelegenheit gebracht, hauptsächlich für den deutlichen Unterschied verantwortlich ist aber das Modul “Zonensystem” (Hintergrundinfo):

Zonensystem in darktable

Zonensystem in darktable

Der rote Pfeil symbolisiert die Lage des Mauszeigers, der bewirkt, daß im kleinen Vorschaubild alle Bereiche in gelber Farbe markiert werden, deren Helligkeitswerte in das entsprechende Grau-Feld fallen - das sind hier die Schattenseiten der Bänke und der Steine der Feuerstelle. Diese dunklen Bereiche habe ich durch Vergrößern der Felder (grüner Pfeil) definiert aufgehellt, um Struktur in die Schattenbereiche zu bekommen. Dabei wurden die hellen Bereiche des Bildes (fast) nicht verändert.

Das Ergebnis sieht dann so aus:

So soll das sein. Die Strukturen sind wieder erkennbar in den (Schlag)schattenbereichen der Sandstein-Feuerbegrenzung und der Holzbänke, ohne daß die Zeichnung im Schnee verloren gegangen wäre.

Die Situation im aktuellen darktable 4.2

Ab der Version 3.0 von darktable wurde die interne Bearbeitung Schritt für Schritt auf lineares RGB umgestellt. Hintergründe dazu finden sich in dieser ausführlichen Beschreibung. Neben einer längeren Darstellung der Technik gibt es dort auch zwei Auflistungen, einmal die nicht empfohlenen Module, dann solche, die mit Vorsicht zu verwenden sind - jeweils auch mit den Gründen, in welchen Situationen oder Konstellationen diese Module Probleme verursachen können.

Die beiden Kern-Module der obigen Bearbeitung, Zonen-System und Velvia, gehören beide zur ersten Gruppe: nicht empfohlen. Als Ersatz werden Tonwert-Equalizer und Farbbalance empfohlen.

Das wollen wir uns im Folgenden anschauen:

Die heutige Bearbeitung

Erster Schritt: Kontraste “bändigen”

Der Tonwert-Equalizer dient dazu, Helligkeitsbereiche innerhalb des Bildes gezielt verändern zu können, ohne dabei lokale Kontraste zu reduzieren (wie es einfache Kurven-Veränderungen tun). Dazu wird eine benutzerdefinierte Maske genutzt, um die Helligkeitsbereiche voneinander zu trennen.

Diese Maske ist zunächst zu “justieren” - dazu dienen die beiden eingerahmten Regler.

=Bildbeschreibung=

Um diese Justierung nicht im “Blindflug” durchführen zu müssen, kann man im Tab erweitert das Histogramm betrachten, wenn dieses optimal gespreizt ist, ohne an den Enden “Türmchen” zu bilden, ist alles richtig.

=Bildbeschreibung=

Danach kann man - ebenfalls in diesem Tab erweitert - mit dem Mouse-Cursor an die anzupassenden Bildteile fahren und mit dem Scroll-Rad die Helligkeit nach oben oder unten anpassen - die Ursprungshelligkeit wird durch die senkrechte Linie im Diagramm angezeigt, die Korrektur durch die Abweichung der Kurve von der Nulllinie nach oben oder unten:

=Bildbeschreibung=

Für die “Farbigkeit” mache ich mir das einfach. Schon damals hab ich im Modul Velvia selten irgend einen Regler betätigt, sondern einfach eingeschaltet und gut war. So handhabe ich das jetzt auch mit dem Modul Farbbalance:

=Bildbeschreibung=

Der mitgelieferte Preset liefert für mich in den meisten Fällen ein ansprechendes Ergebnis. Und das war’s dann auch schon - das Ergebnis gefällt mir sogar noch besser als die alte Bearbeitung:

(Die dunklen Bereiche konnten noch weiter aufgehellt werden als in der alten Bearbeitung, ohne daß die Stellen “flau” geworden wären).

Schlussfolgerung anhand dieses Bildes

Module kommen hinzu, andere werden ersetzt (wobei das Entwickler-Team diese ersetzten Module zwar für die weitere Benutzung deaktiviert, sie “unter der Haube” aber beläßt, damit alte damit bearbeitete Bilder weiterhin korrekt angezeigt werden können) - Hintergründe siehe oben.

Im hier herangezogenen Vergleich “übersetzen” sich die benutzten Module wie folgt:

darktable 1.4 darktable 4.2
Lokaler Kontrast
Basiskurve Sigmoid
Velvia Farbbalance RGB
Schärfen Diffusion/Schärfe
Weißabgleich Weißableich und
Farbkalibrierung
Schatten und Spitzlichter
und Zonensystem
Tonwert-Equalizer
Belichtung Belichtung
Astro-Entrauschen
(hieß damals noch anders)
Entrauschen (Profil)

Und um die Vielzahl der Module im Griff zu behalten, bietet darktable an, die zu nutzenden Module entsprechend zu konfigurieren - siehe diesen Abschnitt im Artikel zu darktable 3.6.

825 Worte - Lesezeit: 4 Minute(n)

 

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