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Mondfinsternis 2022 - Fototipps

veröffentlicht am 14.05.2022 in * FOTOGRAFIEREN *

Inhaltsverzeichnis

 

Am nächsten Montag, dem 16. Mai 2022, findet eine totale Mondfinsternis statt. Sie wird in Deutschland aber nicht in Gänze zu beobachten sein - Prognosen für den eigenen Standort kann man bei timeanddate.de einsehen.

Fototipps für die Mondfinsternis

Im Gegensatz zu einer Sonnenfinsternis sind bei einer Mondfinsternis keine weiteren Schutzmaßnahmen zu beachten.

Objektiv und Stativ

Wie bei der Sonnenfinsternis für die Sonne gilt auch hier für den Mond: der Mond bildet sich auf dem Sensor pro 100mm Brennweite mit ca. 1mm Durchmesser ab, also: viel (Brennweite) hilft viel!! Ein 300mm Objektiv mit einem 2fach-Konverter liefert also auf einem APS-Sensor (Querformat) einen Bilddurchmesser des Mondes, der etwas mehr als einem Drittel der Bildhöhe entspricht.

Und demgemäß wird auch ein stabiles Stativ benötigt, um dieses lange Objektiv ruhig/erschütterungsfrei halten zu können. Verbesserungen können erzielt werden durch:

Blende, Belichtungszeit, ISO

Ein (Voll)mond hoch am Himmel ist bei 100ASA und einer Blende 5,6 - 8 mit einer Belichtungszeit von 1/125 - 1/250 sec. richtig belichtet. Der Mond wird nicht als helle Scheibe, sondern strukturreich mit Details wie Kratern etc. abgebildet.

Das Faszinierende an einer Mondfinsternis ist das Farbenspiel in deren Verlauf. Die Farbe des Mondes wechselt von seiner natürlichen gelblich-weißen Farbe über grau nach kupferrot und zurück. Damit verbunden sind erhebliche Einbußen in der Helligkeit, die bei der Belichtung natürlich ausgeglichen werden müssen.

Je stabiler das Stativ, desto mehr kann die abnehmende Helligkeit über die Belichtungszeit ausgeglichen werden bis zu der Grenze, bei der die Bewegung des Mondes zu Unschärfen führt. Ab diesem Zeitpunkt hilft nur noch Erhöhen der ISO-Empfindlichkeit.

Für eine 16MP-APS-Kamera wie die Nikon D7000 (oder eine 36MP-Vollformatkamera wie die D800) und Brennweiten oberhalb 600mm ist diese Grenze spätestens bei 1/10 sec. Belichtungszeit erreicht, denn dann bewegt sich der Mond innerhalb der Belichtungszeit um eine ganze Pixelbreite (hier: 4.8µm).

Einige hilfreiche Rechner für die Mondfotografie bietet der Internetauftritt der Astronomischen Gesellschaft Urania in Wiesbaden.

Die Luft als begrenzender Faktor

Ein tiefrot gefärbter Mond knapp über dem Horizont ist ein schönes Motiv. Und betrachtet man dessen Helligkeit, so kann dieses Motiv gut für eine Simulation einer Mondfinsternis herhalten. Doch bei dem Versuch, dieses fotografisch festzuhalten, tritt ein weiterer störender Effekt (neben der Eigenbewegung des Mondes) zutage.

Gewählte Einstellungen: 800mm Brennweite, 1/10sec. Belichtungszeit, Blende 7.1 und 800 ASA

Die ausgefressenen Ränder und verwaschenen Konturen sind sehr enttäuschend, denn nach der oben gezeigten Rechnung hätte die Bewegung des Mondes allein noch nicht so eine Unschärfe hervorrufen dürfen.

Eine Lösung des Rätsels wird dann aus einem Video ersichtlich:

Im Vollbild-Modus deutlich zu erkennen ist das “Flimmern” der aufsteigenden Warmluft (besonders am linken Mondrand und in der Mondmitte) … Mondaufgänge an “lauen Sommerabenden” zu fotografieren ist offenbar keine gute Idee ;-)

In der Astrofotografie wird dieser Effekt als das “Seeing” bezeichnet, eine gute Erläuterung findet sich auf der Webseite von Klaus Hohmann, für die Beurteilung gibt es unterschiedliche Skalen.

Christian Pinter schreibt in der Wiener Zeitung von Bildstörung am Himmel.

Schlußfolgerungen für die Praxis

Was heißt das nun für die Aufnahmen einer echten Mondfinsternis?

Und die Mondfinsternis übermorgen?

So ‘ne Mondfinsternis ist zwar was Wunderschönes, aber ich persönlich weiß schon ganz gerne im Voraus, ob es sich lohnen könnte, sich “aus dem Bett zu quälen” 😏.

Die kommenden Sonnenfinsternis läuft in die Morgendämmerung hinein - da stellt sich die Frage: was ist überhaupt zu sehen?

Aus den Belichtungsdaten der Aufnahmen von 2015 hab ich zunächst mal die Helligkeit des Mondes abgeschätzt:

Mond"phase" Uhrzeit Lichtwert
Vollmond 03:32 MESZ 14
1/2 h vor totaler Ph. 12,5
Beginn totale Phase 05:29 MESZ 2
Maximum 05:37 MESZ 2

Und dann die “Hintergrund-Helligkeit”: Hierzu hab ich sowohl mittels einer horizontal liegenden Graukarte die Belichtung bestimmt und probehalber gegen den Himmel kontrolliert:

Sonnenstand Uhrzeit Lichtwert Messobjekt
naut. Dämmerung 04:17 MESZ -2 Himmel
bürg. Dämmerung 05:07 MESZ 3 Himmel
bürg. Dämmerung 05:07 MESZ 0,5 Graukarte
Sonnenaufgang 05:45 MESZ 7 Grauk./Himmel

Fazit: Der Mond ist sehr lange relativ hell - bis ca. 1/2h vor der Beginn der totalen Phase - und dunkelt dann schnell ab. Aber: bereits um 05:07 Uhr zur Beginn der bürgerlichen Dämmerung ist der Hintergrund des Himmels heller als die zu erwartende Helligkeit des Mondes während der totalen Phase (das ist wegen der Farbspiele der interessanteste Teil), die aber erst 22 Minuten später (bei noch hellerem Himmel - und nur 1/4h vor Sonnenaufgang) beginnt.

Und wenn die Wetterprognosen so bleiben wie sie derzeit sind, so ist zudem mit einer geschlossenen hohen Bewölkung hier am Ort zu rechnen. Bleibt die Nachtruhe also eher ungestört … 😪

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