Tethering: direkt in den Computer fotografieren mit darktable
veröffentlicht am 09.09.2021 in * BILDBEARBEITUNG * PROGRAMME *
Inhaltsverzeichnis
Dieser Artikel bildet eine Ergänzung (oder logische Fortsetzung) der Erläuterungen zum Thema Importdialoge in darktable.
Typische Anwendungsfälle
Wozu braucht man ein Kabel an der Kamera, um damit direkt in den PC zu fotografieren?
Nun, im Studio kann das nützlich sein. Dort steht meist ohnehin ein Rechner rum, und wenn man
- nicht mit Speicherkarten hantieren muß
- das Foto gleich groß auf dem Monitor sehen und beurteilen kann
dann kann das die Arbeitsabläufe deutlich beschleunigen.

- Repro-Stativ für Durchsicht-Vorlagen oder auch zur Fotografie kleiner Objekte
Das können Setups zur Proträt-Fotografie genauso sein wie die gezeigte Installation für Repro- oder auch Makro-Fotografie.
Fallstricke gleich zu Beginn
Import-Dialoge des Betriebssystems
Typischerweise erkennt der Rechner, wenn man ein externes Gerät (hier: Kamera) anschließt und bietet Optionen an, was man nun tun will:

Derartige Dialoge sollen abgebrochen werden.
Kamera wird vom Betriebssystem als Datenträger-Laufwerk eingebunden/gemountet
Wenn man - wie soeben beschrieben - eigentlich nichts machen will, kann das Betriebssystem immer noch versuchen, das Gerät als Datenträger zur Verfügung zu stellen:
Dies kann entweder in der Statusleiste

oder im Dateimanager überprüft werden.

In beiden Fällen muß der neue Datenträger ausgeworfen werden, da er ansonsten den Zugriff aus darktable auf die Kamera blockiert.
Tethering-Aufnahme
Wie im vorherigen Artikel schon erwähnt, stellt darktable bei Anschluss bestimmter Kameras, die von der in darktable integrierten Bibliothek gphoto2 erkannt werden, eine zusätzliche Option für den Import von Bildern zur Verfügung:

Mit Hilfe dieses Buttons gelangt man vom Leuchttisch in die Tethering-Ansicht von darktable, die die Fernsteuerung der Kamera und den direkten kabelgebundenen Import der gemachten Aufnahmen in darktable ermöglicht.

In der rechten Werkzeugleiste werden die Module Sitzung, Live-View, Kameraeinstellungen sowie die aus dem Leuchttisch bekannten Module Metadaten-Editor und Verschlagwortung angeboten.

Wie bereits oben erwähnt, werden die Bilder dabei in das in den globalen Einstellungen (Import - Sitzungsoptionen) angegebene Import-Verzeichnis gespeichert sowie in darktable eingelesen und sofort angezeigt.
Wenn’s nicht funktioniert
Wie schon erwähnt, nutzt darktable die Programmbibliothek gphoto2, um mit den angeschlossenen Kameras zu kommunizieren. Bei Problemen (oder auch schon davor 😄) lohnt sich ein Blick auf die Webseite des Projekts. Dort gibt es zwei Listen:
- Liste der unterstützten Kameras - das bedeutet hier: es können Bilder von der Kamera heruntergeladen werden
- Liste der Kameras, für die die Fernsteuerung vom PC funktioniert
Wenn die eigene Kamera hier fehlt, stehen die Chancen schlecht, daß das “tethered shooting” funktioniert.
Weitere Hinweise ergeben sich aus der darktable-Dokumentation, zu Windows einige Hinweise weiter unten:
Linux (hier: debian Buster)
Im ersten Schritt wird man feststellen, ob die Kamera überhaupt vom Rechner an einem USB-Port gesehen wird:
~$ lsusb
Bus 002 Device 053: ID 04b0:0422 Nikon Corp. D700 (ptp)
Als nächstes kann ermittelt werden, ob gphoto2 die Kamera erkennt:
~$ env LANG=C gphoto2 --auto-detect
Model Port
----------------------------------------------------------
Nikon DSC D700 (PTP mode) usb:002,032
Die Tabelle wird leer sein, wenn keine Kamera erkannt wird.
Der nächste Befehl testet die Treiberfähigkeiten der Kamera:
~$ env LANG=C gphoto2 --port usb: --abilities
Abilities for camera : Nikon DSC D700 (PTP mode)
Serial port support : no
USB support : yes
Capture choices :
: Image
: Preview
: Trigger Capture
Configuration support : yes
Delete selected files on camera : yes
Delete all files on camera : no
File preview (thumbnail) support : yes
File upload support : yes
Bei der Ausgabe dieses Befehls sollte die Capture-Choices-Fähigkeit “Image” unterstützt und die Konfigurationsunterstützung (Configuration support) “yes” sein. darktable überprüft diese beiden Fähigkeiten, um zu entscheiden, ob die Schaltfläche “tethered shoot” angezeigt werden soll oder nicht.
Im nächsten Schritt wird überprüft, ob die Kamera ferngesteuert werden kann - d. h., ob sie ein Bild aufnehmen kann, das auf den Computer herunterladen und in darktable anzeigt werden kann.
~$ env LANG=C gphoto2 --port usb: --capture-image-and-download
*** Error ***
An error occurred in the io-library ('Could not claim the USB device'): Could not claim interface 0 (Device or resource busy). Make sure no other program (gvfs-gphoto2-volume-monitor) or kernel module (such as sdc2xx, stv680, spca50x) is using the device and you have read/write access to the device.
ERROR: Could not capture image.
ERROR: Could not capture.
*** Error (-53: 'Could not claim the USB device') ***
For debugging messages, please use the --debug option.
Debugging messages may help finding a solution to your problem.
If you intend to send any error or debug messages to the gphoto
developer mailing list <gphoto-devel@lists.sourceforge.net>, please run
gphoto2 as follows:
env LANG=C gphoto2 --debug --debug-logfile=my-logfile.txt --port usb: --capture-image-and-download
Please make sure there is sufficient quoting around the arguments.
Ups - was will uns das sagen?
Nun … in diesem Fall hatte ich darktable offen und das hat seinerseits auf die Kamera zugegriffen und damit den direkten Zugriff von gphoto2 aus blockiert. Also: darktable geschlossen und nochmal probiert:
~$ env LANG=C gphoto2 --port usb: --capture-image-and-download
New file is in location /capt0000.nef on the camera
Saving file as capt0000.nef
Deleting file /capt0000.nef on the camera
Es wird die Kamera ferngesteuert, also vom Rechner aus, ausgelöst, ein Foto capt000.nef erstellt und auf den Rechner heruntergeladen (und dabei von der Kamera gelöscht).
Nun kann man die Kamera aber auch von Hand auslösen - dann muß das Bild heruntergeladen werden, nachdem man den Auslöser gedrückt hat:
~$ env LANG=C gphoto2 --port usb: --capture-tethered
Waiting for events from camera. Press Ctrl-C to abort.
Waiting for events from camera. Press Ctrl-C to abort.
UNKNOWN PTP Property 500d changed
UNKNOWN PTP Property d100 changed
UNKNOWN PTP Property d1a4 changed
UNKNOWN PTP Property d103 changed
UNKNOWN PTP Property d1a4 changed
Saving file as _N7X0365.NEF
UNKNOWN PTP Event 400c, Param1 00010001
UNKNOWN PTP Property 500d changed
UNKNOWN PTP Property d100 changed
UNKNOWN PTP Property d103 changed
Nach dem Auslösen und Herunterladen des Bildes bleibt die Kamera in Warteposition für den nächsten Auslösevorgang so lange, bis man den Befehl mit Strg-C beendet.
Windows 10
Und wie funktioniert das unter Windows (konkret: Windows 10)? Nun, Windows ist bekanntermaßen ein schlankes Betriebssystem - insoweit hab ich mir erstmal keine großen Hoffnungen gemacht, daß das “einfach so” gehen könnte.
“normale Vorgehensweise”
Aber versuchen wir’s erstmal auf die gutmütige Tour: Windows läuft, darktable läuft.
-
im ersten Schritt wird die Kamera angeschlossen und eingeschaltet. Windows meldet sich wie folgt:

und nach einiger Zeit kommt die Vollzugsmeldung

-
aber: mit dem Erscheinen der “Vollzugsmeldung” meldet darktable eine blockierte Kamera:

-
Kontrolle im Gerätemanager zeigt: die Kamera ist ordnungsgemäß “erkannt” und aktiv:

Die Kamera ist aber nirgends als Laufwerk o. ä. eingebunden, das “ausgeworfen” werden könnte (wie das oben beim Linux-System gezeigt wurde):

Wohl aber kann aus dem Explorer auf die Bilder auf der Speicherkarte der Kamera zugegriffen werden (das ist nachher nochmal wichtig!).

Versuch 1 zur Fehlerbehebung
Die Blockade der Kamera durch das Betriebssystem muß irgendwie aufgehoben werden. Im ersten Versuch habe ich die Kamera daher im Geräte-Manager per Kontext-Menü (Rechtsklick) deaktiviert:

und nach Bestätigen der Abfrage sieht das dann so aus:

Im Ergebnis will der Rechner dann neu gestartet werden, die Deaktivierung kann im Gerätemanager bestätigt werden, aber darktable findet weiterhin (oder jetzt erst recht?) keine Kamera.
Variante 2 zur Fehlerbehebung: Maßnahme mit Nebenwirkungen
Shane Milton empfiehlt den Zadig USB Driver, um die sog. WinUSB-Fähigkeit herzustellen.
Die von der Webseite heruntergeladene .exe-Datei wird einfach gestartet (Doppelklick). Dann unter Options - List all devices anwählen, im Idealfall erscheint dann die Kamera in der Auswahl-Box:

Replace Driver ersetzt den Windows-eigenen Treiber durch einen anderen:

und im Idealfall findet darktable dann die Kamera …

Achtung: Nach dieser Aktion sieht der Windows-Explorer die Kamera nicht mehr, es können also keine Bilder mehr direkt und manuell von der Kamera heruntergeladen werden.
Deshalb macht man ja eine Systemsicherung (Wiederherstellungspunkt) vor solch einem Eingriff …

Windows eben … immer frickeln …
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