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Spiegellose 2019 - Geringere Verkaufszahlen - mal wieder höhere Preise

veröffentlicht am 04.02.2020 in * FOTOTECHNIK *

Inhaltsverzeichnis

 

Gestern hat die CIPA (Camera & Imaging Products Association) die Dezemberzahlen (Produktion, Verschiffung und Preise) des Kameramarktes veröffentlicht.

Damit stehen auch die Zahlen für das Gesamtjahr 2019 fest. Gegenüber den bisherigen Berichten ergibt sich ein sich beschleunigender Abwärtstrend bei den Verschiffungszahlen, in 2019 verlieren auch die Spiegellos-Kameras einheitlich durch alle Weltregionen an Absatz. Besonders krass war der Rückgang in Asien ohne Japan mit 12,5%, in Japan selbst betrug er 7,8%. Gegen den Trend nahmen die Verkäufe auf dem amerikanischen Kontinent um 10% zu, dort wurden aber noch im letzten Jahr auf eine DSLM noch 3 DSLRs verkauft, insoweit ist da wohl noch etwas Marktpotential vorhanden.

Auch weiterhin gilt, in diesem Jahr sogar verstärkt: von einem (immer wieder herbeigeschriebenen) Preisverfall durch weitere Anbieter ist auch (noch?) nichts zu sehen, im Gegenteil: die Durchschnittspreise pro Stück steigen weiter …

Verschiffungsszahlen und Preise auf dem Kameramarkt

Bei den Auswertungen im Anschluß habe ich mich auf diese beiden Gruppen (Systemkameras) beschränkt, die Kompaktkameras bleiben wie bisher außen vor.
(Für analoge Kameras wird zwischen “FP-Shutter” (Focal Plane Shutter, der Schlitzverschluß zählt dazu) und “Lens Shutter” unterschieden, die Spiegelreflex-Modelle fallen in die erste Kategorie, auf die ich mich bei der Auswertung der Zahlen beschränkt habe)

Vergleiche zwischen Spiegelreflex- und Spiegellos-Zahlen

Verschiffungszahlen weltweit

Der Einbruch im Gesamtvolumen hat sich deutlich verstärkt:

=Bildbeschreibung=

Der Verlust geht nach wie vor hauptsächlich auf das Konto der DSLRs, und während in 2017 die Spiegellos-Kameras diesen Verlust durch eigenes Wachstum (zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen) annähernd kompensieren konnten, gelang dies in 2018 bereits nicht mehr, und in diesem Jahr nehmen auch deren Verschiffungszahlen leicht ab.

Durchschnittsverkaufspreise weltweit

=Bildbeschreibung=

In der Preisentwicklung gibt es keine Neuigkeiten. Die Kamerapreise bei den Systemkameras entwickeln sich auseinander, bei den Spiegellosen sind deutlich Preisanstiege zu beobachten, den Spiegelreflex-Kameras sind heute die Durchschnittspreise nicht höher als vor 7 Jahren.

Das dürfte überwiegend daran liegen, daß die klassischen Montagekosten heute den geringsten Teil am Produktpreis ausmachen. Großer Faktor bei den Herstellkosten sind Bauteilekosten, aber vor allem die Fixkosten der Entwicklung.
Letztere sind bei DSLM extrem hoch. Der Spiegel ist ausentwickelt, der Aufwand für ein AF-Modul vergleichsweise überschaubar.

Aber: der Aufwand, ein “Fernsehbild” für den Sucher in Echtzeit ohne Stromverbrauch in hohen Wiederholraten zu erzeugen, damit man überhaupt was sehen kann im Sucher, da steckt eine Menge “Software-Geknautsche” in Kombination mit vergleichsweise teurer Hardware (Prozessor und Arbeitsspeicher) dahinter.

Und weil die Stückzahlen seit Jahren stagnieren im DSLM-Markt, die Zahl der Anbieter aber steigt, müssen logisch die Preise überproportional steigen, die Fixkosten müssen ja wieder reinkommen.

Verschiffungszahlen Europa

=Bildbeschreibung=

Der leichte Zuwachs in den Absatzzahlen der Spiegellosen in Europa in den letzten beiden Jahren ist zu Ende. Für 2019 ergibt sich ein Rückgang von knapp 4% gegenüber dem Vorjahr.

Durchschnittsverkaufspreise Europa

=Bildbeschreibung=

Auch bei der Preisentwicklung in Europa ergibt sich nix Neues: in den letzten 7 Jahren haben sich die durchschnittlichen Spiegellos-Preise mehr als verdoppelt, die DSLR-sind dagegen leicht gefallen gegenüber dem Stand von 2012.

Hinweise zu den Preisen

Wechselkurse

Diese Betrachtung ändert sich auch nicht wesentlich, wenn man den Wechselkurs YEN - EUR betrachtet:

Damit verbleibt immer noch eine - auf EUR bezogene - Preiserhöhung der durchschnittlichen DSLM um den Faktor 1,7.

Bezugsbasis

Die von der CIPA veröffentlichten Preise sind - wenn es um Produktionszahlen geht - die Ab-Werk-Versandpreise.
Beziehen sich die Preise auf die Verschiffungszahlen (und diese Preise habe ich hier in den Grafiken verwendet), dann sind damit die sog. Preise FOB gemeint:
Die Ware wird vom Hersteller zum angegebenen Preis im Verschiffungshafen bereitgestellt, die Ausfuhrformalitäten sind erledigt. Der Käufer hat den Transportvertrag auf eigene Kosten abzuschließen, hier fallen dann die Frachtkosten, Schiffsmaklerspesen und -provisionen, Umladekosten im Schiff (sog. Stau-Kosten) etc. separat an.

Bewertung

Insgesamt hat sich aus meiner Sicht nichts gegenüber der Analyse im letzten Bericht geändert.

Wie bereits oben geschrieben ist es kein Wunder, daß insbesondere die Preise der Spiegellosen weiter anziehen - wie sollte es auch anders sein, wenn ein schrumpfender Kuchen (Gesamt-Fotomarkt) auf immer mehr Akteure verteilt werden soll - die Aufwendungen für die Entwicklung fallen nun mal pro Kameratyp an und nicht pro verkauftem Stück. Kleinerer Anteil am Kuchen führt also zwingend zu höherer Umlage pro verkauftem Stück. Fallende Preise kann ich mir in einer solchen Marktsituation nur vorstellen, wenn einer oder mehrere der Akteure, die finanziell sehr gut aufgestellt sind, über eine gewisse Zeit “auf Verlust fahren”, um die Zahl der Anbieter zu “bereinigen”. Eine solche Preissenkung wäre aber nur von begrenzter zeitlicher Dauer.

Hier ergeben sich natürlich dann z. B. Fragen zur Umstrukturierung bei Sony. Soll hier die Entwicklung der Kamerasparte verschleiert werden?

DOCMA schrieb vor einem Jahr unter Berufung auf den Canon-Chef:

Schreibt man die Marktentwicklung der letzten Jahre fort, dürften die spiegellosen Kameras die DSLRs bis 2020 überrundet haben, aber es ist nicht anzunehmen, dass diese Modelle jemals die Verkaufszahlen erreichen werden, mit denen DSLRs einst für Rekorde gesorgt hatten.

Die aktuellen Zahlen für 2019 scheinen diese Aussage zu bestätigen.

Und was folgere ich für mich aus dem Ganzen? Ich werde beruhigt mit meinen DSLRs weiterfotografieren, die sind eh besser. 😉

CIPA:

Hintergründe

Die CIPA (Camera & Imaging Products Association) als internationaler Industrieverband führt seit vielen Jahren Statistiken, seit 2012 listet sie nicht nur System- und Kompaktkameras getrennt auf, sondern unterscheidet auch zwischen Reflex- und Spiegellos-Systemkameras.

Zugegebenermaßen ist die Zusammensetzung sehr Japan-lastig, aber die Hauptakteure im Kamera-Bereich sind auch alle in Japan ansässig, insoweit kann man mit gewissen Ungenauigkeiten durchaus ein generelles Bild ableiten.

Liste der Mitglieder

List of Members 2018/2019
Regular Members
Canon Inc.
Panasonic Corporation
CASIO COMPUTER CO., LTD.
Ricoh Company, Ltd.
FUJIFILM Corporation
SEIKO EPSON CORPORATION
HOYA CORPORATION
SIGMA CORPORATION
Kenko Tokina Co., Ltd.
Sony Imaging Products & Solutions Inc.
NIDEC COPAL CORPORATION
Tamron Co., Ltd.
Nikon Corporation
Xacti Corporation
OLYMPUS CORPORATION

A total of 15 companies

Supporting Members
Adobe Systems Incorporated
HUAWEI TECHNOLOGIES JAPAN K.K.
ALPS ELECTRIC CO., LTD.
ImageLink, Inc.
Analog Devices KK
KYORITSU ELECTRIC CO., LTD.
AOI Development Center, Ltd.
Microsoft
Apple, Inc.
Morpho, Inc.
Brother Industries, Ltd.
Nissin Japan Ltd.
Carl Zeiss Co., Ltd.
Panasonic Photo & Lighting Co., Ltd.
COSINA Co., Ltd.
Samsung Electronics Co., Ltd.
Dai Nippon Printing Co., Ltd.
Shibakawa Manufacturing Co., Ltd.
Dolby Japan K.K.
Tessera, Inc.
FUJITSU LABORATORIES LTD.
Toshiba Memory Corporation
Fuji Xerox Co., Ltd.
TSUBOSAKA ELECTRIC CO., LTD.

Special Members
Japan Camera Industry Institute (JCII)
Society for Imaging Science and Technology (IS&T)
The Society of Photography and Imaging of Japan (SPIJ)

1067 Worte - Lesezeit: 6 Minute(n)

 

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