zur Startseite

Druckausgabe von https://www.bilddateien.de/
bilddateien.de - alles, was mich fotografisch bewegt - Bernhard Albicker

Negativ-Film abfotografieren - der (vorerst) finale Aufbau

veröffentlicht am 23.12.2018

Am Ende des letzten Artikels war noch in einigen Punkten Optimierungsbedarf erkennbar. Inzwischen ist ein bißchen Material eingegangen, und es kann weitergehen.

Das Aufnahme-Setup - (Negativ)Filme digitalisieren

Negative und Dias sind “Durchlicht-Vorlagen”, müssen also von einer Seite beleuchtet und von der anderen Seite abgetastet werden.

Leuchtplatte und zugehörige Lichtquelle

Jochen Möller hat einen Bausatz für ein Reprostativ entwickelt - erwähnt wurde das in einem der Happy-Shooting-Podcasts. Gedacht ist dieses Stativ zum Abfotografieren von Auflichtvorlagen. Um - auch größere - Durchlichtvorlagen sauber reproduzieren zu können und keine Probleme mit Zeilenstrukturen von LED-Leuchtplatten etc. zu bekommen, habe ich aus zweien dieser Bausätze Reprostativ V5 und einer PMMA Acrylglas-Platte (Opal Weiß glatt 4,0 mm stark Milchglas Lichtdurchlässigkeit 78%) ein Stativ gebaut, bei dem sowohl die Abstände zwischen Lichtquelle und Aufnahmetisch als auch Aufnahmetisch und Kamera veränderbar sind. Dadurch wird es möglich, ein handelsübliches Blitzgerät als Lichtquelle zu verwenden.

Aufnahmegerät

Zum Einsatz kommen:

Der Gesamtaufbau

sieht so aus: Stativ, Kamera mit Objektiv montiert, Blitz einfach unter die Mattscheibe gelegt.

einfaches Reprostativ

Beschreibung oben im Text

Hinweis: für eine gleichmäßigere Ausleuchtung über eine große Fläche wäre es denkbar, den Blitz horizontal auf einen unter der Mattscheibe mit 45° Neigung montierten Reflektor (z. B. eine Styroporplatte) zu richten.

Analyse des abfotografierten Negativs

Bei ISO200 und einer Blende von F/5,6 entsteht folgende Aufnahme:

Gesamtansicht des fotografierten Bildausschnitts/Filmabschnitts

Reprostativ V5, Filter 80B

Der blaue Lichtanteil, hervorgerufen durch das Farbfilter vor dem Objektiv und besonders deutlich in den ausgestanzten Öffnungen der Perforation sichtbar, zeigt sich auch im Histogramm:

Histogramm - hoher Blauanteil in den Lichtern = Perforation

Die Farbintensität der Orangemaske des Films ist jedenfalls deutlich geringer geworden durch das Filter, wenn auch noch bei Weitem nicht vollständig neutralisiert.

Im nächsten Schritt wird der Bildausschnitt auf den belichteten Bereich des Films beschränkt:

Bild beschnitten auf den belichteten Bereich des Films

Reprostativ V5, Filter 80B

Hier zeigt sich, daß Negativfilm einen sehr geringen Dichteunterschied zwischen den helleren und dunkleren Stellen im Motiv aufweist - der Kontrast des abfotografierten Negativs ist jedenfalls sehr gering:

=Bildbeschreibung=

Dies hat Auswirkungen auf die weitere Verarbeitung der RAW-Datei.

Weiterverarbeitung des abfotografierten Negativs

Die Umkehr des Negativs erfolgt auch hier i. W. gemäß den Schritten im entsprechenden Scan-Tutorial.

  1. Importieren in darktable, und dort dann:
  2. Invertieren (Positiv erstellen)
  3. ggf. Bildausschnitt festlegen und Bild ausrichten
  4. Basiskurve aktivieren:
    Wie bereits im Scan-Tutorial erwähnt, weist die Basiskurve für Negativfilme eine umgekehrte Krümmung gegenüber der für Digitalkameras auf, diese umgekehrte Basiskurve muß auch hier angewandt werden. Je nach Lage und Form des Histogramms kann man auch mit den Einstellungen im Unterpunkt Fusion experimentieren, um in den nächsten Schritten leichter weiterarbeiten zu können.
    =Bildbeschreibung=
  5. Belichtung anpassen
    Im Tutorial hatte ich darauf hingewiesen, daß der Einstellbereich des Moduls, insbesondere für den Schwarzwert, evtl. nicht ausreicht und durch manuelle Eingabe von Werten erweitert werden kann. Ein anderer Weg ist hier gezeigt: Durch Umstellung des Modus auf automatisch ist es mit den nun zur Verfügung stehenden 3 Reglern meist möglich, das Histogramm über den vollen Tonwertbereich zu spreizen. =Bildbeschreibung=

  6. Weißabgleich durchführen
    Eventuell ist danach die Belichtung nocheinmal zu korrigieren. =Bildbeschreibung=

Durch die notwendige starke Erhöhung des Kontrastes wird das Filmkorn ebenfalls mit verstärkt. Dem kann mit einer Rauschbehandlung entgegengewirkt werden, im einfachsten Fall durch einen Preset, z. B. den darktable-style von Aurelien Pierre. Das Endergebnis sieht dann so aus:

Kamerascan - in darktable invertiert und bearbeitet

Reprostativ V5, Filter 80B

Was bleibt noch zu tun? Die Retouche der Fehlerstellen: Staub und Kratzer, hier insbesondere als weiße Punkte und Flecken am Himmel sichtbar.

Fazit

So kann der Aufbau erstmal bleiben - für überschaubare Kosten ergeben sich gute Ergebnisse.

608 Worte - Lesezeit: 3 Minute(n)

 

weitere Artikel