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Meine Meinung zum DNG-Format: RAW konvertieren oder nicht?

veröffentlicht am 06.12.2018 - aktualisiert am 06.06.2020 in * ALLGEMEINES * BILDBEARBEITUNG *

Die Zeitschrift ColorFoto hat in ihrer Dezemberausgabe sich als Teil einer Serie zu RAW-Formaten unter dem Titel “Was bringt DNG?” zu diesem Dateiformat Stellung genommen. Und schon im zweiten Satz wird der Leser zum Verwandeln seiner Originale aufgefordert, wie so oft ist auch dieser Artikel sehr Adobe-zentriert ausgefallen.

Die Liste der Vor- und Nachteile von DNG

Das fängt schon bei der Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von DNG an:

Vorteile Nachteile
1. DNG-Dateien speichern Metadaten wie Stichwörter, Geo-, Kamera- und Korrekturinformationen direkt in der Bilddatei. Sie brauchen also keine zweite XMP-Datei mehr, an die Sie bei der Weitergabe oder beim Rechnerwechsel denken müssen. 1. Korrigieren Sie 1000 DNG-RAW-Aufnahmen in einem Rutsch, müssen Sie anschließend 1000 große DNG-Dateien neu speichern – das kann dauern, vor allem bei Sicherung im Internet. Bearbeiten Sie dagegen CR2, NEF, ARF oder andere RAW-Formate der Kamerahersteller, ändern sich nur die kleinen XMP-Dateien, jeweils nur wenige Kilobyte groß (…).
2. Alte Bildprogramme verarbeiten eigentlich keine RAW-Dateien aus neueren Kameras. Doch der Gratis-Wechsel zu DNG macht alte Software wie Lightroom 5 oder Photoshop CS5 wieder RAW-tauglich. 2. Neue RAW-Dateien muss man meist erst von Hand ins DNG-Format umwandeln. Das ist Extra- Arbeit.
3. Die Dateigröße sinkt oft um zehn bis 20 Prozent
4. DNG-Dateien lassen sich in manchen Dateiverwaltungen wie dem Windows-Explorer leichter anzeigen.
5. DNG erscheint zukunftssicher: Während neue Programme alte RAW-Formate vielleicht irgendwann nicht mehr öffnen, lässt sich das universelle DNG wohl noch viele Jahre lang nutzen.
Quelle: ColorFoto 12/2018

Hier wird ausschließlich von Lightroom und Photoshop ausgegangen. Aber nicht jeder will andauernd Miete zahlen und sich von einer ständigen Internetverbindung und dem Wohlwollen der Lizenzserver eines US-Konzerns abhängig machen.

Alternative (nicht-Adobe-)RAW-Konverter

Weil sich alternative Programme wie Capture One, DXO Optics Pro, ON1 Photo RAW, aber auch freie (open source) Programme wie Raw Therapee oder darktable sich genau deshalb einer immer größeren Beliebtheit erfreuen, darf man diese nicht ganz ausblenden. Und schließlich stellen auch die Kamerahersteller ihre eigenen RAW-Konverter bereit, wie z. B. Capture NX-D von Nikon.

Das Problem der vielen RAW-Formate

Grundsätzlich ist es natürlich schon ein Problem, daß viele Kamerahersteller, insbesondere die Großen, jeweils ihre eigenen Formate zur Abspeicherung der Bilddaten in der Kamera verwenden, hier eine kleine (unvollständige) Liste:

Einige Hersteller (z. B. Pentax) bieten die Option in den Kameraeinstellungen an, zwischen dem “hauseigenen” RAW-Format (hier: .PEF) und dem DNG-Format zu wählen. Auch Leica, Hasselblad, und Ricoh bieten wohl das DNG-Format an.

Bewertung der aufgeführten Argumente pro/contra DNG

(Die lfd. Nummern beziehen sich auf die obige Tabelle)

Argument 1: Speicherung der Metadaten in der Bilddatei

Es mag auf den ersten Blick bequem sein, wenn man nur noch Einzeldateien und keine “Dateipaare” mehr im Verzeichnis liegen hat.
Aber: Es geht hier nicht nur um den Nachteil, daß bei Veränderung jeweils die ganze (große) Bilddatei neu geschrieben werden muß, sondern auch darum, daß jeder Schreibvorgang die Datei an sich gefährdet. Jede Eingabe eines Stichworts, jede Bewertung und natürlich jede Bearbeitung erfordert es, die komplette Datei neu zu schreiben. Und Zeit braucht das obendrein - insbesondere, wenn gleichzeitig viele Dateien geändert/aktualisiert werden sollen.
Beim Backup fallen aufgrund dieser dauernden Änderungen immense Datenmengen an. Im Detail habe ich diese Zusammenhänge im Artikel über Datensicherung beschrieben, auch der Fotograf und Buchautor Martin Evening weist im Adobe-Blog darauf hin.

Hinweis: Aufgrund dieser Problematik schreibt z. B. darktable auch bei dng-Dateien alle Änderungen in eine externe xmp-Datei.

Argument 2: Unterstützung neuer Kameras

Grundsätzlich wird mit der Kamera immer vom Hersteller ein passender RAW-Konverter mitgeliefert. Insoweit muß man nicht untätig rumsitzen, wenn man eine neue Kamera gekauft hat, sondern kann seine RAW-Dateien sofort nutzen. Martin Evening beschreibt im Adobe-Blog daher lieber den Vorteil, daß eine Umwandlung mit dem Adobe-DNG-Konverter ermöglicht, auch ältere Software weiter im Einsatz zu halten. Aber er weist auch darauf hin, daß eine Umwandlung ins DNG-Format sicher die Nutzung der Hersteller-Software ausschließt, aber auch nicht unbedingt sicherstellt, daß jeder (v. a. Nicht-Adobe-(Anmerkung des Autors)) RAW-Konverter diese Files auch korrekt lesen kann.

Hinweis: Aufgrund dieser Problematik lehnen es die darktable-Entwickler ab, umgewandelte DNG-Files offiziell zu unterstützen. Die Zahl der RAW-Formate multipliziert mit der Zahl der möglichen ‘Umwandler’ ergibt eine nicht mehr zu handhabende Zahl von Kombinationen, die alle einzeln getestet werden müßten.

Argument 3: Dateigröße RAW vs. DNG

Dieser Vorteil ist meines Erachtens Augenwischerei. Vor dem Hintergrund der in Punkt 2 dargestellten Probleme muß

um im Bedarfsfall wieder an die Originaldaten heranzukommen. Damit ist keine Ersparnis um (vergleichsweise geringe) 20% erreicht, sondern eine Erhöhung des Speicherplatzes um 80%.
Diese oft propagierten 20% Ersparnis müssen aber erstmal erreicht werden. Dazu habe ich einen Dreiteiler geschrieben: Teil 1: Nikon - Teil 2: Nikons kleine Formate - Teil 3: andere Hersteller - kurz gesagt: Fake News
Noch schlimmer wird der Speichermehrverbrauch für das Backup: Bei jeder Änderung an der Datei muß die ganze große Bilddatei gesichert werden anstatt einer kleinen xmp-Datei (siehe Argument 1).

Argument 4: RAW-Anzeige in der Windows-Dateiverwaltung

Darauf brauche ich nicht weiter einzugehen, die Kamerahersteller stellen i. d. R. die notwendigen Decoder kostenlos bereit.

Argument 5: Zukunftssicherheit der RAW-Formate

Dieser Punkt hat mich am meisten amüsiert, man achte nur auf die Formulierungen erscheint zukunftssicher, vielleicht irgendwann nicht mehr öffnen und wohl noch viele Jahre … . Da zeigt sich viel “wenn und aber” schon in der Formulierung des “Vorteils”.
Auch Martin Evening beschreibt im Adobe-Blog zwar das DNG-Format als Archivformat, vor allem wegen dessen offener Spezifikation. Er sieht derzeit aber weniger das Risiko, daß einzelne RAW-Formate nicht mehr gelesen werden können, solange die Firmen, die die zugehörigen Software-Produkte herstellen, noch existieren. Das Risiko liege daher nicht “in den nächsten 10 Jahren, in denen Adobe mutmaßlich noch da sein könnte”, aber er fragt sich, was in 50 … 100 Jahren sein könnte.

Hinweis: Wer dazu beitragen möchte, daß RAW-Dateien firmenunabhängig auch in Zukunft unterstützt werden, kann solche Dateien aus seiner Kamera als Muster einem offenen Projekt wie raw.pixls.us zur Verfügung stellen.

Fazit: DNG verwenden? RAW umwandeln?

Zunächst scheint DNG als offen spezifiziertes Format viele Argumente für sich zu haben, wenn es um Langzeitarchivierung geht. Aufgrund der dargestellten Nachteile und Unwägbarkeiten würde ich aber zum derzeitigen Zeitpunkt nicht blind konvertieren (das kann automatisiert immer noch erfolgen, wenn feststeht, daß das bisher in der Kamera erzeugte Format in Kürze nirgends mehr lesbar sein wird) und noch weniger die originalen RAW-Dateien entsorgen. Dazu auch Craig Hull in Expert Photography: “If your method of editing isn’t broken – don’t try and DNG it".

Bietet aber bereits die Kamera die Option an, statt des herstellereigenen RAW-Formats die Dateien als DNG auf die Speicherkarte zu schreiben, so würde ich diese Option wählen: Die Dateien liegen in einem offen spezifizierten Format vor, ohne sie konvertieren zu müssen (mit den Nachteilen und Risiken wie oben beschrieben). Dann würde ich aber auch darauf achten, daß der RAW-Konverter eben nicht jedes Mal die komplette RAW(DNG)-Datei neu schreibt, wenn ich irgendwas editiere …

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