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Stativköpfe für lange Tele-Brennweiten

veröffentlicht am 26.12.2016

Für den Einsatz mit schweren und langen Tele-Objektiven kommen zwei Gruppen von Stativköpfen in Betracht:

  1. Köpfe mit kardanischer Aufhängung, sog. "Gimbal Heads"
  2. Neiger mit 2 Drehachsen, auch 2D- oder Videoneiger genannt

Aufgrund der unterschiedlichen Funktionsweisen ergeben sich in manchen Bereichen auch unterschiedliche Eigenschaften.
Diese sind hier kurz zusammengefaßt: Köpfe der Gruppe

  1. Gimbal Heads
    • (+) arbeiten soz. "passiv", halten also aufgrund ihrer Konstruktion bei korrekter Einstellung die Kamera-Objektiv-Kombination in praktisch jeder Lage perfekt im Gleichgewicht.
    • (+) sehr leichtgängige Kugel- oder Kunststofflager erlauben sehr schnelle und abrupte Schwenkbewegungen
    • (-) aufgrund der konstruktionsbedingt relativ langen Hebelarme leiden einige Konstruktionen an einer erhöhten Schwingungsanfälligkeit bei längeren Verschlußzeiten (1/125 sec. oder länger)
    • (-) relativ großes Packmaß, d. h. relativ sperrig.
    • (o/-) keine Dämpfung in der Bewegung, was gleichmäßige Schwenkbewegungen (Verfolgen von bewegten Objekten: Vögel im Flug, Fahrzeuge) erschweren kann. Es kann zwar eine gewisse Schwergängigkeit durch Friktion eingestellt werden, dann besteht aber die Gefahr, daß das "Anfahren" ruckartig erfolgt.
  2. Neiger
    • (-/o) Gleichgewichtszustand muß "aktiv" erreicht werden durch eine sog. Lastausgleichsfeder, die auf das Gewicht und die Höhe des Schwerpunkts der Ausrüstung eingestellt wird (anderenfalls muß der Benutzer "aktiv" in bestimmten Lagen seine Kamera-Objektiv-Kombi festhalten, weil diese sonst nach vorn oder hinten abkippt).
    • (+) sehr wenig Platzbedarf, kompakte Konstruktion
    • (+) aufgrund der kompakten Konstruktion sehr schwingungsarmes Verhalten
    • (+) Fluid-Patronen machen - insbesondere, wenn einstellbar - exakte und gleichmäßige Schwenkbewegungen und ruckfreies "Anfahren" besonders leicht möglich.

2D-Videoneiger

Anhand der oben aufgelisteten Gegenüberstellung der Eigenschaften habe ich mich für einen Neiger entschieden, und ein "Testobjekt aus alten Tagen" lag auch schon bereit:

Video-Neiger Manfrotto 701HDV mit Kirk 4
Video-Neiger Manfrotto 701HDV
mit Kirk 4"-Schnellkupplung QRC-4
auf der Manfrotto Wechselplatte montiert

Beurteilung des Manfrotto Video-Neigers 701HDV

Mit einer Belastbarkeit von 4kg ist der Kopf nicht wirklich für die Kombination einer D700/D800 mit einem 2.8/400mm (das alleine schon 4,5kg auf die Waage bringt) und ggf. noch einem Telekonverter geeignet (Gesamtgewicht mit Kamera ca. 6,5kg). Nachdem die anderen beiden meiner alten Köpfe aber für die Tierfotografie mit diesem großen Objektiv völlig ungeeignet waren, mußte er trotzdem herhalten, um die m. M. nach absolut notwendigen praktischen Erfahrungen zu sammeln für eine fundierte Entscheidung zu einem neuen Kopf, der dann für diese Einsatzfälle zugeschnitten ist.
Die Erkenntnisse:
Der Kopf ist durchaus verwendbar, solange es sich um Aufnahmen bei einigermaßen ordentlichem Licht (und damit verbundenen kurzen Belichtungszeiten) handelt. Wahl des Bildausschnitts und sicheres Fokussieren sind kein Problem, und auch das Verfolgen von Vögeln im Flug ist machbar.
In Kombination mit der Wimberley-Schiene am Objektiv ist sauberes Ausbalancieren der Objektiv/Kamera-Kombi möglich.
ABER: Diese Balance gilt nur für den Winkel, für den sie gefunden wurde. Wird jetzt ein Objekt fotografiert, das höher oder niedriger steht/sitzt/fliegt als bei der Balance-Einstellung, dann kippt die Kombination weg in derselben Richtung, da sich der Schwerpunkt deutlich oberhalb der Drehachse befindet und bei Änderung der Neigung der Kombination sich nach vorne bzw. hinten verschiebt. Ein Videoneiger kompensiert diesen Effekt mittels eines (ggf. mehrstufig schaltbaren) Ausgleichssystems (Feder), sog. Traglast-Tabellen bzw. -Kurven geben für den jeweiligen Neiger an, welches Gewicht bei welcher Schwerpunkthöhe noch kompensiert werden kann.
Hier ist dieser Kopf eindeutig überfordert, schon bei einem Gewicht von einem Kameragehäuse und kleiner Festbrennweite (unter 2kg) ist eine Wirkung eines Ausgleichssystems nicht mehr feststellbar.
ALSO: immer die Hand an der Kamera, nie loslassen!


Kirk Schnellkupplung QRC-4.2Kirk Schnellkupplung QRC-4.2
Schnellwechselkupplung von Kirk
www.augenblicke-eingefangen.de

 

 

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