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Objektivtests und Flaschenböden: werden die Verzeichungswerte korrekt wiedergegeben?

veröffentlicht am 07.09.2014 in * FOTOTECHNIK *

Objektivtests gibt es “wie Sand am Meer”, dennoch frage ich mich, ob ich damit was anfangen kann - wenn ich die im folgenden beschriebene Erfahrung berücksichtige:

Ausgangssituation

An anderer Stelle hatte ich beschrieben, daß ich lange nach einem Ersatz für meine analoge Minox 35GT gesucht habe und beim Micro-Four-Third-System rausgekommen bin. Die Kamera kam mit Kit-Objektiv, und dafür gibt es Testberichte wie z. B. hier bei Color-Foto, die auch über Verzeichnungen bei verschiedenen Brennweiten Auskunft geben. In diesem und auch anderen Tests ist von einer Tonnen-Verzeichnung von deutlich unter 2% die Rede.

Großes Erstaunen bei der Betrachtung von RAW-Dateien

Eines Tage habe ich eine Orientierungstafel fotografiert und mich im RAW-Konverter darktable gewundert, wie verzerrt diese Tafel abgebildet wurde:

unkorrigiert

Bild aus E-P3, direkt aus Kamera

Das sollen 1,x% sein???

Besser sah das Ergebnis dann aus, als ich die Objektivkorrekturen aktiviert habe:

korrigiert

Bild aus E-P3, Verzeichnung korrigiert in darktable

Schlußfolgerungen

Ehrlicherweise schreibt Color Foto dazu, daß die Tests an einer Kamera und an welchem Modell gemacht wurden.
Die Betrachtung der RAW-Dateien in einem herstellerunabhängigen RAW-Konverter offenbart aber die ganze Wahrheit: Die Kamera setzt Rechenkünste ein, um die Verzerrungen einigermaßen in Grenzen zu halten. Dabei werden notwendigerweise Bildpunkte verschoben und durch die dabei vorgenommenen Interpolationen kommt es zwangsläufig bereits zu ersten Auflösungsverlusten.

Streng genommen sind solcherart durchgeführte Tests aber auch keine Tests des Objektivs, sondern des Gesamtsystems Kamera - Objektiv und lassen daher nur bedingt Rückschlüsse auf das Verhaltens der einzelnen Teilkomponenten zu.

Im Gegensatz zu z. B. den etablierten Nikon- und Canon-Systemen wurde das Micro-Four-Third-System erst für Digitalkameras geschaffen, und somit konnte diese Art des Geld sparens (Korrekturen per Software rechnen ist nun mal billiger als ein ausgefeiltes Objektivdesign) bereits in die Systemdefinition mit eingearbeitet werden.

Weil diese “nachträgliche” Korrektur auch Einfluß auf die Bildqualität hat, sollte hier in den Tests zumindest ein Hinweis erfolgen, wenn nicht sogar der Meßwert für die unkorrigierte Linse angegeben werden.

314 Worte - Lesezeit: 2 Minute(n)

 

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