Automatik...
...abschalten!
In diesem Kapitel soll gezeigt werden, warum bei der Weiterverarbeitung von Filmmaterial jede Art von automatischer Farbkorrektur wenig hilfreich, wenn nicht sogar schädlich ist. Etwas differenzierter lautet das Urteil, wenn es um die Belichtung geht. Hier heißt die Devise: Automatik ja, unter bestimmten Voraussetzungen!
Begründung Teil 1: Diapositive
Ausgehend von der idealen Vorstellung, ein Dia sei zur direkten Betrachtung bestimmt (Leuchtpult oder Diaprojektor, beide mit genau definierter Lichtfarbe), kann nur die Folgerung abgeleitet werden, daß eine Farbkorrektur NICHT erfolgen darf, da sonst das ursprüngliche Motiv unkorrekt wiedergegeben würde.
Ein sog. "Weißabgleich" würde z. B. dafür sorgen, daß eine weiße Jacht mit weißen Segeln auf blauem Meer unter blauem Himmel einen "Stich" ins rote und grüne bekommen würde, da es sich um ein stark blaubetontes Motiv handelt.
Sollten Dia-Scans nicht zu dem erwünschten Ergebnis führen, so ist zunächst einmal daran zu denken, sowohl Monitor als auch Scanner ordentlich zu kalibrieren, um eine korrekte Arbeitsweise des gesamten Weges vom Filmmaterial bis zum Auge des Betrachters sicherzustellen.
Ausgeglichen werden dürfen nur Aufnahmefehler, z. B. die Aufnahme von Innenraum- Motiven bei Kunstlicht mit einem Tageslichtfilm ohne Filter. Da es sich hierbei aber um genau bekannte Fehler handelt, sollte die Korrektur auch in diesem Fall nicht einer Automatik überlassen werden, da diese auch hier immer motiv- und nicht ursachenabhängig korrigiert, sondern es sollte versucht werden, die bei der Aufnahme unterlassenen Punkte quasi nachzuvollziehen. Hierzu bietet die bereits erwähnte Software "Picture Window" die Möglichkeit, die Serie der Kodak-Wratten-Objektivfilter nachträglich auf die Aufnahmen anzuwenden.
Begründung Teil 2: Farbnegative
Bereits im vorigen Abschnitt über Diapositive wurde erwähnt, daß automatische Farbkorrekturen immer nur motiv- und nicht ursachenabhängig erfolgen können. Mit den Ergebnissen wird der kritische Betrachter bestenfalls bei einem durchschnittlichen Motiv und einem "Scan auf die Schnelle" zufrieden sein können.
Ein ganz krasses Beispiel für eine Fehlkorrektur sei im folgenden erläutert:
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| Scan mit Vuescan unter Anwendung der hier beschriebenen Methode | Scan mit der originalen Software Nikon Scan 3.1.2., die keinerlei manuelle Abgleichmöglichkeiten bietet |
| Das Motiv zeigt einen Stollenausgang in einer senkrechten Wand im ehem. röm. Goldabbaugebiet "Las Medulas" in Galizien, Spanien | |
Der für die ganze Gegend charakteristische leuchtend rote Farbton des Gesteins geht beim automatischen Scan mit der Nikon-Scan-Software vollkommen verloren, zudem nimmt der Busch rechts unten einen völlig unnatürlichen türkis-Ton an.
Ursache ist der stark von einem "Norm-Bild" abweichende, weil im wesentlichen einfarbige, Bildinhalt, der jede Farbkorrektur-Automatik zu mehr oder weniger krassem Fehlverhalten verleitet.
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| Scan mit Vuescan unter Anwendung der hier beschriebenen Methode | Scan mit der originalen Software Nikon Scan 3.1.2., die keinerlei manuelle Abgleichmöglichkeiten bietet |
Beim Vergleich der beiden Scans des zweiten Beispiels fällt der gegenüber dem ersten Beispiel geringere Farbunterschied auf, das "durchschnittlichere" Motiv führt zu einem besseren Verhalten der Farbautomatik der Nikon-Software.
Beachtenswert ist aber weiters, daß die Gesteinsfarbe in den beiden manuellen Scans (jeweils 1. Spalte des ersten und zweiten Beispiels) praktisch gleich ausfällt, während ein Vergleich der beiden automatischen Scans (zweite Spalte) auch hier noch deutliche Unterschiede zeigt.
Schlußfolgerung:
Korrekte und reproduzierbare Farbwiedergabe beim Scannen läßt sich nur erreichen,
wenn auf jegliche Farbkorrekturautomatik verzichtet wird und
die relevanten Parameter bekannt sind (Filmprofil)
bzw. gemessen werden können (Schwarz-, Weißpunkt).
Auch die Scansoftware Vuescan bietet verschiedene Automatik-Einstellungen an, hier hat der Benutzer immerhin die Möglichkeit, steuernd einzugreifen und z. B. die Art der Beleuchtung vorzugeben.
Zunächst sei anhand einer Beispielserie mit einem "durchschnittlichen" Motiv die Wirkung der verschiedenen Einstellmöglichkeiten demonstriert:
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| 1. "Referenzbild" mit manuellem Abgleich | |
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| 2. Weißabgleich: Tageslicht | 3. Automatischer Histogrammabgleich |
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| 4. Weißabgleich: Glühlampe | 5. Weißabgleich: Leuchtstofflampe |
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| 6. Weißabgleich: Nacht | 7. zum Vergleich: Scan unter Benutzung der Originalsoftware NikonScan 3.1.2 |
Die Bilder 2. und 3. liegen im Ergebnis recht nahe am Referenzscan (1.), abgeschlagen und einen Eindruck "schmutziger Farbe" hinterlassend das Bild 7 mit der Originalsoftware. Die Bilder 4 bis 6 liefern mehr oder weniger große Farbabweichungen, dies ist aber auch richtig so, sind deren Scanner-Einstellungen doch so gewählt, daß sie den "typischen Eindruck" bei Kunstlicht (Glühlampe bzw. Neonlicht) bzw. bei Nacht wiederspiegeln sollen, somit für ein Tageslichtmotiv auch völlig praxisfremd.
Schwieriger wird die Sache, wenn das Motiv - wie bereits weiter oben gezeigt - einen eindeutigen Farbschwerpunkt hat:
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| 1. "Referenzbild" mit manuellem Abgleich | |
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| 2. Weißabgleich: Tageslicht | 3. Automatischer Histogrammabgleich |
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| 4. Weißabgleich: Glühlampe | 5. Weißabgleich: Leuchtstofflampe |
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| 6. Weißabgleich: Nacht | 7. zum Vergleich: Scan unter Benutzung der Originalsoftware NikonScan 3.1.2 |
Hier liefern die beiden "Tageslicht-Einstellungen" (Bilder 2 und 3) die abweichendsten Ergebnisse, erstaunlicherweise wird die "Neon-Licht"-Einstellung (Bild 5) dem Motiv am besten gerecht.
Einen etwas merkwürdigen Eindruck hinterläßt auch hier das Bild 7 unter Verwendung der Nikon-Software.

















